|
Dem Antrag wurde stattgegeben, aber Chursdorf sollte am 26.1.1820, dem Tag des Termins, endgültig den Befreiungsbescheid vorweisen. Dieser Tag war jedoch für die Chursdorfer der Tag der endgültigen Niederlage, denn sie konnten den Bescheid natürlich nicht erbringen, da es ihn niemals gegeben hatte. Es wurde ihnen erklärt, daß "das Recht gegen sie sei und denzufolge jeder weitere Prozeß unbillig ...".
Noch immer behaupteten sie, den Bescheid erbringen zu wollen. Da sie jedoch gewillt seien, mit ihrer Nachbargemeinde in Frieden zu leben, wollten sie das ihnen auferlegte Drittel zu den Baukosten beitragen. Damit für alle Zeiten Klarheit herrsche, wurde die Gemeinde Chursdorf noch zur Zahlung von jährlich 12 Groschen Reparaturkosten gezwungen. Das nun wiederum hatte zur Folge, daß die Chursdorfer Vertreter kategorisch erklärten, auch nicht einen Pfennig mehr zahlen zu wollen, selbst wenn größere Reparaturen anfielen.
1821 war der Schulneubau fertig (Bild / Bauzeichnung des Gebäudes). Aber das Geld dafür war nicht da. Viele Seelingstädter konnten die ihnen auferlegten Kosten nicht zahlen. Die Gemeinde sah sich gezwungen, noch am 30.10.1823 die Regierung in Dresden um einen Zuschuß zu bitten. Durch den Pfarrer erging an die Diözesen Zwickau und Chemnitz die Bitte, doch durch Kollekten den hiesigen Schulbau zu unterstützen. Am 10.3.1824 hielt der Gemeindevorstand endlich eine Anweisung über 50 Thaler in der Hand, die ihm von der Landesregierung zugesandt worden war. Die Kollektensammlungen in Zwickau und Chemnitz erbrachten zusammen 99 Thaler, 9 Groschen und 4 Pfennige. Der Gesamtzuschuß, der den bedürftigen Einwohnern zugedacht war, belief sich somit auf 149 Thaler, 9 Groschen und 4 Pfennige. Die Gesamtausgaben für den Schulbau aber betrugen 2092 Thaler, 13 Groschen und 11 Pfennige. Keinen wird es verwundern, wenn bei dieser für die damalige Zeit großen Ausgabe, die Einwohner von Seelingstädt durchschnittlich 24 Thaler zahlen mußten. Auf den größten Bauern entfielen sogar 42 Thaler. Welch ein Hohn, wenn dann die Landesregierung "allergnädigst" 50 Thaler anweisen ließ! Chursdorf brachte im Prinzip den gerechten Anteil von 695 Thalern und 10 Groschen auf. Die Differenz wurde durch die Zuschüsse gedeckt.
Obwohl von den Amtsstellen ein festes und dauerhaftes Gebäude gefordert worden war, zeigten sich bei der behördlichen Abnahme am 3. November 1824 bereits beträchtliche Mängel. Eine Esse drohte einzustürzen, ein Raum war noch nicht fertig, das Dach schadhaft und das Haus nicht dem Bauplan gemäß sowie zu leicht gebaut worden. Weiterhin fehlten Wandtafeln, und die Bänke waren beschädigt. Der säumigen Gemeinde wurde für den Fall, daß die Mängel binnen 4 Wochen nicht beseitigt wären, mit empfindlichen Strafen gedroht. Diese war selbstverständlich nicht daran interessiert, noch mehr Geld in das Schulhaus zu stecken und fand auch bald die Schuldigen an dem mangelhaften Bau in den Werdauern Zimmermeister Knoll und Maurermeister Feistel. Sie hatten ja das Haus in Akkordarbeit errichtet und "...keine genügende Achsamkeit walten lassen...". Unverzüglich mußten sie die von ihnen verursachten Schäden reparieren. Auch der Dachdecker wurde zur kostenlosen Reparatur des Daches gezwungen.
So könnte nun ein Schlußstrich unter dieses Kapitel gezogen werden, jedoch werden die "Aber" in diesem Artikel nicht alle. Am 27.2.1826 traf beim Justizamt in Zwickau eine Beschwerde des Seelingstädter Ortsrichters ein. Sechs Einwohner von Chursdorf, darunter zwei Häusler, hatten ihren Anteil zu diesem Zeitpunkt noch nicht bezahlt. Schon am 7. März 1826 bekam der Ortsrichter das Gerichtsurteil aus Zwickau zugesandt: "Rest muß sofort bezahlt werden, ... sonst Pfändung!!"
Die Häusler, also keine Bauern, bezahlten daraufhin ihre Schulden, die übrigen vier jedoch protestierten gegen den Zahlungsbescheid und "... würden das Geld geben, wenn sie wollten.."
Schon wieder mußte die Gemeinde einen Prozeß anstrengen, weil "Pieler und Co." nicht gütlich zum Zahlen zu bewegen waren. Die Klage gegen die säumigen Zahler kam sogar wieder vor das Konsistorium in Leipzig. Die nun folgenden Ereignisse sind leider nur sehr lückenhaft bekannt, aber es steht fest, daß "Pieler und Co." erst 1847 die restlichen Beträge zum Schulbau beibrachten, nachdem sie den jahrelangen, erbitterten und doch von ihnen blindwütig geführten Prozeß verloren hatten.
|
| vom Schreiben
Heute hat jeder, der etwas schreiben möchte, alle Möglichkeiten, das zu tun, weil er jederzeit ein Schreibgerät kaufen kann. Das war nicht immer so, auch als Seelingstädt eine Schule mit Lehrer bekam. Es gab weder Bleistifte oder Kugelschreiber noch Federhalter. Aber letzteres konnte man sich ja selbst bauen. Aus einer Gänsefeder natürlich, davon gab es doch auf dem Dorfe genug. Aber woher die Tinte nehmen?
Die mußte jeder, der schreiben wollte und erst recht der Lehrer, selbst herstellen.
Lesen wir nach, was dazu der Stadtschreiber von Crimmitschau im 1548 begonnenen Handelsbuch auf Seite 3r etwa 1690 notiert:
|
"Guthe Dindten Zu machen ALß.
1 Pfund Galläpfel die schwartzen sindt die
besten, etwas Gröblich Zer stoßen, 2 Kannen
Eßig darauff gegoßen, Die Gall Apfel in ein
Neüen Topf gethan darin laßen Weichen, Hernach
Abgegoßen Die Materia Vff ein ... Dindten
laßen Werden Thue hernach in die Tindte
1/2 Pfund guth Kupffer Waßer alß wirdt die
Dinthe Guth Vndt ferdtig seyn.
2. Wenn die Materia Trocken, gieß wieder 1
oder 1 1/2 Nößl Eßig darauff, Hastu Regen-
Waser Gieß 1/2 Nößl Darzu ist es desto beßer,
probiere"
|
|